Elektriker beauftragen: 7 Fragen, die du vorher klären musst
Bevor der Elektriker anrückt: Welche Unterlagen, welche Vereinbarungen und welche Fragen gehören auf die Checkliste? Damit keine bösen Überraschungen kommen.
Ein Elektriker zu beauftragen ist mehr als nur anrufen und Termin machen. Wer die folgenden sieben Punkte vor dem ersten Arbeitstag klärt, spart sich Nachträge, Streitigkeiten und oft mehrere hundert Euro. Diese Checkliste basiert auf dem, was Elektromeister in der DACH-Region regelmäßig als die häufigsten Reibungspunkte mit Kunden nennen.
1. Ist der Betrieb überhaupt konzessionspflichtig zertifiziert?
In Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfen nur konzessionspflichtige Fachbetriebe Elektroarbeiten ausführen — das ist keine Formalie, sondern Gesetz. Bei Schäden haftet die Versicherung nur, wenn die Arbeiten von einem eingetragenen Elektroinstallateur durchgeführt wurden.
Was du prüfst:
- Deutschland: Eintrag in der Handwerksrolle (§ 4 HwO), sichtbar über die HWK-Website
- Österreich: Gewerbeberechtigung „Elektrotechnik”
- Schweiz: ESTI-Kontrollausweis (Eidgenössisches Starkstrom-Inspektorat)
Frage im ersten Gespräch direkt: „Haben Sie Ihre Konzessionsnummer?” Ein seriöser Betrieb nennt die Nummer ohne Zögern. Wer ausweicht — abbrechen.
2. Welche Versicherungen hat der Betrieb?
Elektriker, die in deiner Wohnung arbeiten, müssen mindestens zwei Versicherungen haben:
- Betriebshaftpflicht (Personen- und Sachschäden bei dir)
- Berufshaftpflicht (Folgeschäden aus fehlerhafter Arbeit — z.B. Kurzschluss-Brand Wochen später)
Lass dir die Police-Nummer oder einen Versicherungsnachweis zeigen. Die Deckung sollte mindestens 1 Million Euro pro Schaden sein. Seriöse Betriebe schicken dir auf Nachfrage sofort einen Scan.
3. Ist der Preis wirklich ein Festpreis — oder nur eine Schätzung?
Der wichtigste Punkt vor Auftragsvergabe. Ein Festpreis-Angebot bindet den Elektriker an den genannten Betrag. Eine „Kostenschätzung” ist unverbindlich und kann beim Endabrech nun 30-50 % höher ausfallen.
Achte im Angebot auf diese Formulierungen:
- ✅ „Festpreis für die genannten Leistungen” — gut
- ✅ „Preis gültig bis zu 10 % Mehraufwand” — gut, realistisch
- ⚠️ „Abrechnung nach Aufwand” — riskant, nur bei Reparaturen OK
- ❌ „Geschätzte Gesamtkosten” ohne Festpreis — Finger weg
Bei Unsicherheit: Deckel einbauen lassen. „Aufwand bis maximal X Euro, darüber hinaus Rücksprache vor Weiterarbeit.”
4. Welche Gewerke macht er selbst — und welche nicht?
Ein kompletter Elektro-Umbau umfasst meist drei Stufen:
- Leitungen legen und verbinden (Elektriker)
- Wände aufstemmen, zuschlitzen und verputzen (Maurer / Trockenbauer)
- Wände streichen oder tapezieren (Maler)
Viele kleinere Elektrobetriebe erledigen Punkt 2 und 3 nicht — sie kommen nur für den reinen Elektrik-Teil, du musst die anderen Gewerke selbst organisieren. Das ist kein Nachteil, aber du solltest es wissen, bevor du den Auftrag vergibst.
Frage konkret:
- Wer stemmt die Schlitze für die Leitungen?
- Wer verschließt die Schlitze wieder (Spachteln, Verputzen)?
- Wer streicht die Wand nach?
Viele Elektriker auf MeinHandwerker arbeiten mit festen Maler- und Maurerbetrieben zusammen und koordinieren den Ablauf für dich. Frage aktiv nach.
5. Welche Qualität der Komponenten wird eingebaut?
Zwischen der billigsten und der hochwertigsten Steckdose liegt Faktor 5. Der Elektriker kalkuliert im Angebot oft mit Standardware, montiert auf Wunsch aber auch bessere Qualität. Die meist genannten Marken in der DACH-Region:
- Standard: Gira System 55, Berker B.1, Busch-Jaeger Reflex SI
- Gehoben: Gira E2, Berker Q.1, Jung LS 990
- Design: Gira Esprit, Jung LS 990 Edelstahl, Berker R.1
Bei Smart Home wird’s noch komplexer: KNX ist der Goldstandard (teuer), Loxone und Homematic IP sind günstigere Alternativen. Lass dir die geplante Lösung schriftlich mit Hersteller und Modell bestätigen. Nachträglicher Austausch kostet das Dreifache.
6. Welche Prüfprotokolle bekommst du nach Abschluss?
Nach jeder Elektroinstallation sind Prüfprotokolle Pflicht:
- VDE 0100-600 (DE): Inbetriebnahmeprüfung der elektrischen Anlage
- ÖVE/ÖNORM E 8001-6-61 (AT): Erstprüfung
- NIN 6.1 (CH): Schlussabnahme nach Niederspannungs-Installationsnorm
Diese Protokolle sind dein rechtlicher Nachweis für Versicherung, Käufer (bei späterem Verkauf) und Behörden. Ohne Protokoll erlischt im Schadensfall der Versicherungsschutz.
Wenn der Elektriker sagt „das brauchen Sie nicht” — Warnsignal. Das Protokoll ist gesetzlich vorgeschrieben.
7. Wie sieht die Gewährleistung aus?
Nach § 634a BGB (DE) / § 933 ABGB (AT) beträgt die gesetzliche Gewährleistung auf Werkleistungen zwei Jahre — in Österreich bei unbeweglichen Sachen sogar drei. Aber: Manche Elektriker versuchen, die Gewährleistung per AGB zu verkürzen.
Worauf du achtest:
- AGB lesen, bevor du unterschreibst
- Keine Kürzung der Gewährleistung auf unter 2 Jahre akzeptieren
- Für Smart-Home-Komponenten zusätzlich die Herstellergarantie prüfen (oft 3-5 Jahre)
- Bei der Abnahme Mängelrüge-Liste schriftlich erstellen (auch kleinere Schönheitsfehler)
Die großen Elektriker-Fachbetriebe geben oft 5 Jahre Gewährleistung auf die eigene Arbeit — das ist ein Qualitätssignal.
Die Schritt-für-Schritt-Reihenfolge
So gehst du vor, wenn du einen Elektriker beauftragen willst:
- 3 Angebote einholen über MeinHandwerker (kostenlos, Antwort in 24h)
- Konzessions-Nachweis prüfen bei jedem der drei
- Versicherungspolicen anfordern (Haftpflicht + Berufshaftpflicht)
- Festpreis-Angebote vergleichen — nicht nur Summe, sondern Leistungsverzeichnis
- Gewerke-Abgrenzung klären (wer macht Stemmen/Schließen/Malen)
- Komponenten schriftlich festhalten (Marken, Modelle, Smart-Home-System)
- Prüfprotokoll-Übergabe im Angebot festhalten lassen
- Zahlungsplan vereinbaren: 30/40/30 ist Standard
- Nach Abnahme Mängelrüge-Liste erstellen, Protokoll einfordern
Wer diese 9 Schritte durchgeht, hat nicht nur einen rechtlich sauberen Auftrag — sondern meistens auch das bessere Angebot unter drei.
Weiterführende Ratgeber
- Konkrete Kosten: Was kostet ein Elektriker?
- Angebote fair vergleichen: Handwerker-Angebote vergleichen
- Rechnung korrekt prüfen: Handwerker-Rechnung prüfen
- Elektriker in deiner Stadt: Elektriker-Verzeichnis
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